Sonntag, 13. Mai 2007

Über Fitness

Mein Fitness-Studio ist das Schönste in Deutschland. Sagen sie zumindest selbst. Naja, denkst Du jetzt, das würde doch jedes von sich behaupten. Aber bei meinem stimmt es. Es ist das schönste, das ich kenne. Und ich kenne zwei. Eins davon liegt drei Häuser von meiner Wohnung entfernt die Straße runter. Das andere 25 km und eine je nach Tageszeit und Verkehr dreißigminütige Autofahrt. Ich fahre also. Ich versuche nicht an das Benzin zu denken.

Kurse sind Frauen in Fitness-Studios immer sehr wichtig. Mir nicht. Ich komme sowieso nicht mit. Holger, der Studio-Leiter, erklärte mir zu Beginn, dass sie selbstverständlich Einsteigerkurse hätten, und der Unterschied zwischen einem normalen und einem guten Kursleiter wäre, dass der gute Kursleiter sich auf jeden Kursteilnehmer einstellt. Ich besuchte also „Step (Einsteiger)“. Durch mein geheimes Vortraining mit einem Susan-Powter-Fitness-Video konnte ich etwa 10 Minuten lang folgen. Auf die Bank, links, rechts, runter, keine Ahnung. Knie hoch, Hacke weg, zu Seite austreten. Schon während des Kurses stieg mir das Wasser in die Augen. Mühsam unterdrückte ich mein altes Schulsport-Trauma und machte weiter. Links rechts links rechts. Ich überlebte. 25 Minuten später war es Gott sei dank zu vorbei. Und das war also die Stunde für Anfänger. Außer mir waren noch drei da, die das noch nie gemacht hatten, nur deshalb, und dank Susan Powter, hatte ich überhaupt eine Chance. Nachher heulte ich mich bei Rüdi aus, meinem inoffiziellen persönlichen Fitnesstrainer. Er tröstete mich mit dem Hinweis, es wäre die Schuld der Kursleiterin. Nun ja. Einige Wochen später probierte ich es tatsächlich noch mal. Was sollte schon passieren, das erste Mal hatte ich ja auch überlebt und jetzt hatte ich doch schon wochenlanges Fitnesstraining hinter mir. Bereits nach fünf Minuten kam ich nicht mehr mit, stand hilflos vor dem Brett. Der Hinweis, diese Schritte könnte man gleich anschließend im Fortgeschrittenen-Kurs in der Dance-Kombination gebrauchen, halfen mir nicht weiter. Ebenso wenig die Bemerkung, bewegen müssten wir uns schon um was zu lernen. Das war der Punkt, an dem ich entgegen meiner Über-Ich-Botschaft „Fall nicht unangenehm auf!“ mein Step-Bänkchen packte und den Kurs verließ. Ich zahle doch nicht fuffzig Euro im Monat um mich schwach anreden zu lassen. Seit meinem erneuten Gespräch mit Holger, dem Studio-Leiter, gibt es jetzt einen Absoluten-Einsteiger-Anfänger-noch-vor-allem-anderen-Stepkurs. Aber ohne mich.

Mein Fitness-Studio ist das Schönste von allen. Dunkler Parkettboden, große Fensterfronten, hell. Neue Geräte. Alles runde Flächen. Keine Ecken, keine muffige Luft, keine selbstgezimmerte Holzdecke, keine gammeliger Teppichboden. Kaum Muskelprotze. Ziemlich normale Leute. Auf der einen Seite blickt man beim Trainieren über die grünen Hügel der Umgebung, auf der anderen Seite in die Therme, blaues Wasser, und Lichtsäulen mit wechselnden Farben. Am schönsten ist es abends, wenn es schon dunkel ist und die Säulen leuchten tiefblau. Früher dachte ich, unten im Wasser plantschend, da oben können nur Leute trainieren, die auch Golf spielen. Jetzt trainiere ich dort, obwohl ich Golf nur fahre.

Mein Fitness-Studio hat die beste Betreuung von allen. Wunderschöne Trainer. Trainer mit Bäuchlein. Was fürs Auge, was für die Motivation. Nette Gespräche. Ich weiß, die machen das, weil ich sie dafür bezahle. Gut tut es trotzdem.

Nach acht Monaten Training, zwei bis dreimal die Woche, wollte ich es wissen. Mein Trainingsergebnis schwarz auf weiß. Gespannt stieg ich auf die Fettanteil-Waage. Das niederschmetternde Ergebnis: Nichts, gar nichts hatte sich verändert, bis auf das zusätzliche Kilo Fett! Ob ich denn genug trinke? wurde ich immer wieder gefragt. Das hätte ich als Erklärung schon auch lieber als meinen exorbitanten Schokoladenkonsum. Jetzt habe ich einen neuen Trainingsplan, mit Zielformulierung und regelmäßiger Zielüberprüfung. Das funktioniert garantiert! sagt Holger. Wir werden sehen. Ich werde berichten.