Mittwoch, 23. Januar 2008

Halali! Die Geschichte von der dummen Sau.

17 Tage. 17 Tage war er alt. Wir hatten uns gerade so kennen gelernt, wurden langsam miteinander warm. Die 1000km mit starker Zurückhaltung waren zurückgelegt. Ich finde gefallen daran, wie der Diesel im dritten Gang schön abzieht. Und wie gemütlich ich mit Rolf so dahin rollen kann.  
Und dann steht sie da. Besser gesagt, sie rennt. Sie rennt quer über die Straße. Die Serpentinen. Dunkelheit. Durch den Wald, ich biege um die Ecke. Ich brauche gar nicht mehr zu versuchen zu bremsen oder auszuweichen oder was auch immer. Die Sau trifft Rolf mit voller Wucht vorne rechts. Oder muss ich sagen Rolf erfasst die Sau?
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Das ist nicht wahr. Das kann nicht wahr sein. 
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Ich kann hier an der engen Stelle in den Serpentinen nicht anhalten und ich bin auch viel zu geschockt um anzuhalten. Ich warne die entgegenkommenden Autofahrer, denn ich habe keine Ahnung, wo die Sau gelandet ist. Ich halte oben an der Kreuzung auf dem Parkplatz. 
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Das ist nicht wahr. Das kann nicht wahr sein. 
Es ist wahr. Es ist wie es ist. Scheiße. 
Wischwasser. Der Bordcomputer verlangt Wischwasser. Hä? Jetzt?
Mit zittrigen Knien steige ich aus und sehe mir den Schaden an. ups. Wo mal meine wohlgeformte Stoßstange war, fehlt ein Eck. Der Scheinwerfer hängt zur Seite. Mein Kennzeichen! Die Sau hat mein Kennzeichen! Ein Glück, dass Fahrerflucht schon rein persönlichkeitsmäßig mir nicht möglich ist, denn es wäre die dümmste Fahrerflucht aller Zeiten, mein Kennzeichen gleich neben der Sau zu lassen. 
Ich rufe die Polizei. Und ich mache mir Sorgen, ob die Sau andere gefährdet, da unten auf der Straße. 
Unter meinem Auto bildet sich ein nasser Fleck.

Aus welcher Richtung das Tier denn gekommen sei, möchten die Herren wissen. Was? Keine Ahnung! Ich lasse die Szene noch mal an meinem inneren Auge vorbeiziehen. Von der Straßenmitte zum rechten Rand. Die Sau kam von links! Ich hatte eindeutig Vorfahrt!

Wir fahren im Polizeiauto die Straße ab. Mein Kennzeichen mitten auf der Straße verrät uns die Lage der Sau. Sie hat sich rücksichtsvollerweise zum Sterben hinter die Leitplanke geschmissen. Ein großes Tier. Der Polizist guckt vorsichtig nach, ob sie wirklich tot ist, auf lebensrettende Sofortmaßnahmen wird verzichtet, der Jagdpächter verständigt. 
"Du dumme Sau!!" schreie ich im Polizeiwagen dem Tier nach. Und der Gesetzeshüter antwortet: "Das wird die sich auch gedacht haben."
"Hoffentlich war es keine Bache, sonst müssen Sie jetzt die verwaisten Frischlinge mit der Flasche aufziehen!"- "Das geht nicht, in meiner Mietwohnung ist Tierhaltung nicht erlaubt!"- "Dann kriegen Sie eine Sondergenehmigung."

Wir sammeln gemeinsam Teile, die lose von meinem Auto weghängen und raten, was das sein könnte und ob es zum Fahren wichtig sein könnte. 
Mein Kollege Dieter kommt, den ich vorhin zur Hilfe gerufen habe. "Sie hat das schon ganz gut alleine hingekriegt." sagt der Polizist. Dieter fragt, ob die Beamten das Tier mitnehmen, aber der Beamte lehnt dankend ab, er habe schon zu Abend gegessen. 
Der Polizist schätzt den Schaden und auf meine Überlegung, ab wie viel ich wohl gleich ein neues Auto kriege, fragt er, ob er noch mal dagegentreten soll. 

Mit Dieter als "Lumpensammler", der hinter mir aufpasst, dass ich keine weiteren Teile verliere, schleiche ich zur Werkstatt. Stark lenken darf ich nicht, denn dann schubbert die verschobene Stoßstange am Reifen. Beim Anlassen informiert mich der Bordcomputer: "Rechter Blinker vorne defekt", "Rechtes Vorderlicht defekt" sowie wiederum "Bitte Wischwasser auffüllen." Ach. 

Anzumerken bleibt, dass ich sowieso nur genau in dieser Minute um die Kurve kam, weil ich beschlossen hatte, heute mal nicht im Fitness-Studio, sondern zuhause zu duschen. 

Und die Moral von der Geschicht? Laut meiner Schwester: "Dusch gefälligst im Fitness, Du Sau!"


4 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Zumindest hat der Polizist rücksichtsvoll darauf verzichtet, waidgerecht "Sau tot" über den Außenlautsprecher abzuspielen... *rofl*
Die arme Sau... ;)

Anonym hat gesagt…

Kathrin hatte Recht, es ist witzig geshrieben!
Also, dann noch mal ein persönliches Waidmansheil an die Jungjägerin. ;)

Die lebensrettenden Sofortmaßnahmen wären übrigens recht kurz ausgefallen...
Und um Frischlinge musst Du Dir auch eher weniger Sorgen machen. Die haben um die Zeit schon keine putzigen Streifen mehr (im Gegensatz zu der entfernten Tante, die jetzt bestenfalls Bremsstreifen hat) und sind schon relativ selbstständig.

Und was lernen wir aus der Geschichte?
Elchtest bestanden, aber bei nen Ferkel versagt?
Neuwagen sind rausgeschmissenes Geld?
Im Studio duschen spart nicht nur an der heimischen Wasserrechnung?
Klugscheisser die einen im eigenen Blog verarschen können einem echt sowas von gestohlen bleiben?!

Sally hat gesagt…

Hallo Lars,
danke für die Blumen!
Bist Du der Jäger? Dann sag uns bitte, was wir uns schon die ganze Zeit fragen: Darf eine totgefahrene Sau noch zu Gulasch verarbeitet werden?

Gert hat gesagt…

"Die Sau springt kurz, die Sau springt weit, warum auch nicht sie hat ja Zeit."
D.h. auch duschen im Fittness wäre keine Lösung. Siehe oben die Sau kann ja warten.
Einziger Trost ist die Statistik: Nach der Wahrscheinlichkeit hast du jetzt für viele Jahre keinen Wildschaden mehr zu erwarten.
Ich hatte übrigens noch keinen Wildunfall. Traue mich daher nicht mehr im dunklen durch den Wald zu fahren...
Übrigens: die tote Sau zum Braten mit nach Hause zu nehmen wäre Wilderei.